Ein bisschen Aroma - Roger Whittaker in der alten Oper
 
     
 

Roger Whittaker in der Alten Oper in Frankfurt
Furioses Gastspiel eines Pioniers der leichten Muse: Roger Whittaker
Foto: Michael Kretzter

..Auch wenn es aussieht wie ein Pavianhintern, pfeifen Sie doch mal wie ein Afrikaner!" forderte Schmusebarde Roger Whittaker augenzwinkernd sein Publikum auf. Machte es gekonnt vor und erntete stürmischen Applaus. Nur wenige Plätze in der Alten Oper blieben bei dem furiosen Gastspiel des 69 Jahre alten Pioniers der leichten Muse leer - eine stattliche, nicht nur im Rentenalter angesiedelte Klientel wollte das Comeback des legendären Showdinos nicht verpassen, der vor mehr als 40 Jahren seine gesicherte Karriere als Naturwissenschaftler aufgab, um in der windigen Showbranche sein Glück zu versuchen.

Er kann es nicht lassen. Einen echten Künstler hält so leicht nichts von seiner wahren Berufung ab. Erst recht nicht, wenn nach selbstverordneter zweijähriger Zwangspause - der Gesundheit wegen -wieder alles in Ordnung zu sein scheint. Oder besser: "Alles Roger". So lautete der erste von 28 Songs aus dem üppigen Repertoire des in Irland beheimateten Kenianers, der einst als milder Folksänger in den protestbewegten frühen sechziger Jahren startete - einer von vielen Klassikern, bei denen uns Deutschen vom Mitklatschen im strammen Viervierteltakt ganz schwummrig wird. Richtig erstaunt sind wir aber, wenn der bei jeder Gelegenheit wie ein Zeiserl fließend pfeifende Whittaker bei "Mexi-can Whistler" unserer Ilse Werner mächtig Konkurrenz macht.
Auf Wolke sieben schweben wir gar, wenn die meist eingedeutschten Textinhalte mit jenem hart prononcierten Akzent dargeboten werden, wie wir es seit langem von angloamerikanischen Künstlern so schätzen- und liebengelernt haben.

Damit das reibungslos klappte, spickte der fünffache Familienvater immer wieder gerne auf einen der drei links, in der Mitte und rechts der Vorderbühne installierten Teleprompter. Es störte sich auch niemand daran, daß der hünenhafte Sangesfavorit, der auch gern mal beschwingt zur Gitarre griff, bei englischsprachigen Titeln wie "River Lady", "Albany" und "Banana Boat Song" merklich gefühlvoller sang - immerhin konnte sich der graubärtige Frauenschwarm im kanariengelben Hemd und meerblauen Samtsakko da intensiv der Musik widmen, die ihm sein siebenköpfiges Begleitensemble inklusive zweier Chordamcn nicht allzu seicht arrangiert maßgeschneidert lieferte. Wo andere sich schon vier Jahre ihrer Pension erfreuen, da hält es Roger Whittaker noch nicht einmal auf seinem irischen Märchenschloß. Das bewohne er mit Ehefrau Natalie, berichtete er und fügte mit dem samtenen Wohlklang eines Wellness-Seminarleiters stolz hinzu, daß sie vor kurzem ihren 40. Hochzeitstag feierten. Wenigstens eine kleine Welt, die noch ganz heil und in Ordnung scheint, mochte sich manches Mitglied seiner Fangemeinde gedacht haben, die am Bühnenrand Blumenbuketts und Geschenke aufhäufte. Um die Idylle perfekt zu machen, holte der im zweiten Teil ganz in Schwarz gekleidete Entertainer Irisches aus der Schublade: "Unclc Benny", das in unseren Gefilden auch als "Whiskey in the Jar" populäre "Kilgary Mountain" und der als "Adieu, mein Freund" eingedeutschte „Danny Boy" troffen geradezu unter der perfekten Illusion der in elektronischer Synthese hergestellten Flötenklänge.

Der Abschied kam abrupt und ließ nur ganze zwei Zugaben zu. Mit dem für Whittakers Verhältnisse erstaunlich peppig rockenden "Ein bißchen Aroma" fiel der finale Vorhang - und der flugs sich seine Fangeschenke schnappende Tausendsassa tänzelte wie ein junger Gott dem Bühnenausgang zu.

MICHAEL KÖHLER

 
     
 
FAZ  
 
     
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