Charmeur Roger Whittaker pfeifend auf Tournee
 
     
 

Roger Whittaker ist wieder auf Tournee (Foto:dpa Frankfurt/Main (ddp): Als letzter der sieben Protagonisten an diesem Samstagabend betritt Roger Whittaker den Saal. Im gold-schwarzen Gehrock, mit Lackschuhen, Hosenträgern und Brille an der Kette. „Der sieht ja aus wie Professor Unrat“, lästert ein junger Mann in Reihe drei, der offenar seine Mutter begleitet. Doch den meisten der 1700 Zuschauer in der Frankfurter Alten Oper gefällt's.

Das vorwiegend ältere und hauptsächlich weibliche Publikum ist noch etwas reserviert. „Wie geht's? Ich habe euch vermisst“, liest der Schmusebarde auf Deutsch von einem der drei Telepromter auf der Bühne ab. Und auch im weiteren Verlauf des knapp zweistündigen Konzerts erweist sich der gebürtige Kenianer bei den deutschen Songs als weniger textsicher als viele Damen im Auditorium. „Du kannst ja wirklich jeden Text, das ist ja erschütternd“, wird der junge Mann in Reihe drei seiner Mutter alsbald vorwerfen, während der Star des Abends immer wieder vom Telepromter ablesen muss.

Doch das tut der langsam, aber stetig steigenden Stimmung im Saal keinen Abbruch. Whittaker gibt sich charmant, wirkt teilweise zwischen seinen beiden Backgroundsängerinnen, die er nach vorne holt, ein bisschen wie ein Casanova und verzückt die Damenwelt vor allem mit seinen Pfeifeinlagen. Die fünf Musiker und die Backgroundsängerinnen–die etatmäßige Band von Sängerin Vicky Leandros–halten sich dezent zurück.

Ein paar kritische Töne sind aber doch zu hören in der gut 20-minütigen Pause zwischen erstem und zweiten Akt. „Er hat schon mal besser gesungen“, urteilt eine barocke Dame an der Sektbar. Bei den hohen Tönen halte er sich etwas zurück, was man einem 67-Jährigen nicht wirklich verübeln dürfe.

Aber schon kurz nach der Pause bei „The Skye Boat Song“ verklären sich viele Blicke wieder, und als sich Whittaker bei „Mexican Whistler“ fast in Ekstase pfeift, deutet die eine oder andere Dame gar ein leichtes Schunkeln an. Zum Charmeur wird Whittaker wieder, als er den einzigen Song des Abends aus seinem aktuellen Album „Mehr denn je“ ansagt: „Du bist der Inbegriff“, dieses Lied sei „für alle Frauen dieser Welt.“

Bei den letzten Liedern, darunter „Abschied ist ein scharfes Schwert“ und „Albany“, schaut Whittaker demonstrativ auf die Uhr, als müsse sein Publikum längst im Bett liegen. „Habt ihr noch Zeit?“, fragt er vor dem letzten Song des Abends. Und als er dann „Ein bisschen Aroma“ intoniert, steht das Publikum begeistert auf.

OLIVER TEUTSCH

 
     
 
Ostsee Zeitung 2003  
 
     
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