Der Traum vom eigenen Musical
 
     
 

PORTRÄT / Die "Stimme des Herzens" wird 70: Roger Whittaker feiert im kleinen Kreis - und freut sich auf die Uraufführung von "Gedi".

ESSEN. Für eine Kaffeefirma war er in den 80er Jahren der Botschafter des guten Geschmacks, für seine Fans ist er die "Stimme des Herzens", für seine Gegner eine Ikone übels-ten Schlagerschmarrens. Man kann geteilter Meinung sein über das Schaffen des Roger Whittaker. Der Erfolg (s. Kasten) gibt ihm jedenfalls Recht. Und im Gespräch erweist sich der Sänger, der am Mittwoch im Kreise der Familie seinen 70. Geburtstag begehen wird, als humvorvoller, höflicher Mensch.

Zudem ist Roger Whittaker jemand, der über seine komfortable Lebenslage durchaus nachgedacht hat: "Es ist heute viel schwieriger, Erfolg zu haben als vor 40 Jahren. Früher gab es ein, zwei große Radiostationen, wenn die dich spielten, hattest du es geschafft. Heute gibt es in jeder Stadt einen eigenen Sender, und jeder hat auch seinen eigenen Stilmix. Auch kann jeder zu Hause Aufnahmen machen, es gibt einfach ein unheimlich großes musikalisches Angebot."

Das war Ende der 50er Jahre fraglos anders. Die erstaunliche Karriere des Roger Whittaker startete damals eher zufällig. Geboren in Nairobi als Sohn eines Lebensmittelhändlers hatte er eigentlich Biochemie, Zoologie und Meeresbiologie studiert und promoviert. Es war kurz davor, ein Angebot als Lehrer anzunehmen.

Dann probier ich es mal mit Unterhaltung Aber dann wurde die Bitte an den Hobbysänger Whittaker herangetragen, eine Benefizplatte für die Krebsforschung einzusingen. Schnell klopfte eine Plattenfirma an, es gab eine Schallplatte, die ersten Hits - und die Entscheidung: "Na gut, dann probier ich es mal für ein Jahr in der Unterhaltung." Es sind über 40 geworden, in denen Whittaker sich vor allem in die Herzen deutscher Fans sang. Der "Sänger, Liedermacher und Pfeifer" (Schlagerlexikon) brachte Ende der 70er Jahre sein erstes deutschsprachiges Album heraus, freilich ohne eine Ahnung zu haben, was er da sang. "Mehr als Dankeschön konnte ich damals eigentlich nicht", erinnert sich Whittaker an die Anfänge.

Es folgten Jahre des Erfolges, es gab aber auch Krisen. Beispielsweise vor sechs Jahren, als er entschied, Schluss zu machen. "Ich fühlte mich einfach krank. Die ganze Tournee. Ich dachte: Es macht keinen Sinn mehr, bleib zu Hause." Nach einem halben Jahr Erholung fing Whittaker wieder an, Lieder zu schreiben, "gute Lieder", wie er betont. Dann stellte er sich die entscheidende Frage: "Warum singst du eigentlich nicht wieder?" Heute genieße er es mehr denn je, unterwegs zu sein. Auch wenn er dann seine fünf Kinder, seine Frau Natalie und sein wunderbares irisches Zuhause vermisst. "Durch den Garten fließt der Shannon, es ist wunderschön, nur mit 22 Hektar einfach zu groß." Die Whittakers wollen sich verkleinern; sie haben sich schon zehn Kilometer entfernt eine kleinere Immobilie - wieder ein Schloss - zugelegt.

Und sonst? Keine Wünsche, keine Träume? Ist mit 70 alles Roger? Whittaker kontert mit einem Scherz - das endgültige Salat-Dressing, das würde er gerne erfinden... Aber dann wird´s ernst. Es geht um sein sinfonisches Musical, an dem er seit Jahren arbeitet. "Gedi" heißt es, Whittaker begibt sich damit zurück zu seinen afrikanischen Wurzeln. Es geht um den Beginn des Sklavenhandels, um einen Sultan, um Elfenbein und Gold - und um die Sage von einer vor 600 Jahren bei einem Angriff untergegangenen Hafenstadt namens "Gedi", in der all das zusammenlief. "Ich war dort, wo Gedi einst lag. Es ist ein mysteriöser Platz, ich hatte ein richtig komisches Gefühl." Noch vor dem Sommer werden die Arbeiten für "Gedi" abgeschlossen sein, danach geht´s ins Studio. Wenn sich ein Produzent fände, wäre es der größte Traum des Roger Whittaker, "Gedi" einmal im Londoner Musical-Viertel Westend aufzuführen.

19.03.2006 MICHAEL MINHOLZ

 
     
 
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