So ein Wahnsinn
 
     
 

Im ausverkauften Roger Whittaker-Konzert bejubeln viele junge Besucher den Sänger

Von OTZ-Redakteurin Ilona Berger Die Alten sind auf dem Vormarsch, nicht nur demografisch. Sie singen sich in die Hitparaden, heimsen Gold- wie Platinschallplatten ein, und sie erobern die jungen Discogänger. "Ich liebe Whittaker", behauptet Beatrice Reinhard (25). Warum? Sie zuckt mit den Schultern: "Weiß nicht." Nach kurzem Überlegen, fällt es ihr doch ein: "Er hat Charme. Toll, wenn man noch so fit ist." Aha. Null Chancen für die gecasteten Möchtegern-"Superstars" wie Alexander Klaws und Juliette Schoppmann.

Worin liegt nun das Geheimnis der singenden Alten? Der über 100-jährige Johannes Heesters, der fast 73-jährige Udo Jürgens und die etwas jüngeren Rocker Rod Stewart und Mike Jagger füllen Hallen und Stadien. Liegt´s am organisierten Rummel der Plattenfirmen, an kleineren Enthüllungen vor den Tourneen, den treuen Fans oder sogar an Friedrich Schiller? "Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt", prägte einst der Dichter. Egal. Die Alten sind in, populär wie noch nie. Niemand stört es, wenn ihr Haar schütterer ist, die Stimme weniger voluminös und manche Textzeile vom Bildschirm abgelesen werden muss. Es sei ihnen verziehen.

Roger Whittaker erst recht. Der in Afrika Geborene, in Irland Lebende und in Deutsch singende Kuschelbarde lässt am Samstag im Kultur- und Kongresszentrum Gera die Besucher toben. Der Saal ist ausverkauft. 90 Minuten Konzert erwartet sie.

Whittaker zeigt sich publikumsnah bei seiner Dankeschön-Tournee. Er geht durch den Gang auf die Bühne, schüttelt die von seinen Fans gereichten Hände. Das hebt die Laune, bevor das erste Lied erklingt. Seine Songs sind schwer zu verstehen. Band und Backgroundchor übertönen den Mann im samtig-blauen Gehrock. Erst bei den Duetten ("Ein schöner Tag", "Bleib heut bei mir") gewinnt der Liedermacher an Stärke. Auch die Balladen verhelfen seiner Baritonstimme zu mehr Gehör. Voller Kraft stecken dagegen seine "Pfeif"-Songs ("Happy Kenia Boy" oder "My Land is Kenia"). Whittakers Liebe zum schwarzen Kontinent Afrika ist in vielen Stücken zu spüren. Er studierte in Kapstadt einige Monate Medizin. Nachdem er den weißen Kittel an den Nagel hängte, unterrichtete er Kinder.

In der Wildnis lebende Tiere werden auf die Leinwand projiziert. Sie zeugen von der Schönheit und Weite Afrikas. Die "sprechende" Trommel zerstört das von Whittaker gemalte Bild. Er ist überhaupt nicht zu verstehen. Was will er mit unserer Sprache sagen? Die drei Bildschirme am Bühnenrand mit dem Text helfen nicht. Sein Bemühen erinnert an 1979. "Mein deutsches Album" erschien, ohne dass der Sänger ein einziges Wort Deutsch konnte. Phonetisch genau musste ihm aufgeschrieben werden, wie er was auszusprechen hatte.

Nach der Pause erklingen die Gassenhauer. Ohrwürmer, die jeder mitsingen kann: "Abschied ist eine scharfes Schwert", "Eloisa", "Siebe Jahre, sieben Meere", "Das Lied von Aragon". Einige Besucher geben immer wieder Standing Ovations. Blumen und Geschenke für den Star liegen auf dem Klavier. Tosender Beifall bei "Dankeschön". Ohne Zugabe darf der 71-Jährige nicht gehen. Er wird lauthals von Jung und Alt verabschiedet. Welch ein Wahnsinn an diesem Abend!

21.01.2007 OTZ (Ost Thüringer Zeitung)

 
     
 
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