Alles Roger
 
     
 

Roger Whittaker in der AWD Arena in HannoverRoger Whittaker war in der AWD-Arena in Hannover und sagte seinem Publikum danke fürs Zuhören.

Er kommt von ganz schräg links. Dabei dachte man vor ein paar Jahren, er käme gar nicht mehr. Aber das ist vorbei, jetzt ist er da, im blauen Gehrock und strahlt. Die Band spielt schon, er schreitet noch durch die ersten Reihen, schüttelt Hände, winkt. „Dankeschön” schaukelt durch die Halle, ein Lied, das ausdrückt, worum es hier geht: Danke, Leute, für all die Jahre, danke fürs Zuhören.

Roger Whittaker, 70, wollte eigentlich nicht mehr auf Tournee gehen. Es ging ihm nicht gut, und er dachte, er sei „zu alt für den ganzen Nonsens”. Doch wie es so ist: Auf den Rücktritt folgte der Rücktritt vom Rücktritt. So lange er kann und so lange sein Publikum ihn hören will, tritt er eben auf. Die „Dankeschön”-Tour führt ihn, den gebürtigen Kenianer, den seit Langem in Irland beheimateten Schlagersänger, durch ganz Deutschland, einige Abstecher nach Österreich und in die Schweiz sind auch dabei. Am Sonnabend war er mit seiner fünfköpfigen Band sowie zwei Sängerinnen in der mit 3000 Zuhörern ausverkauften hannoverschen AWD-Hall zu Gast.

„Alles Roger” geht es weiter, und natürlich ist es das, auch wenn Whittakers Stimme anfänglich etwas leise und heiser ist und das Publikum nur verhalten mitsingt. Das Licht ist bonbonfarben, die Halle gut geheizt; die Band spielt sich routiniert durch kuschelige, saubere Arrangements, der Keyboarder ersetzt ein paar Musiker, indem er Bläser-, Streicher- und sogar Banjoklänge aus den Tasten haut. Whittaker gibt den charmanten Kunstpfeifer und klemmt sich auch die Talking Drum unter den Arm, dazu gibt es Bilder von Giraffen und Elefanten auf eiförmigen Leinwänden im Hintergrund. Fernes, romantisches Afrika. Dann noch ein paar schale Witze, und weil das Pfeifen so schön ist, trillert er gleich weiter. Mit „River Baion”, „Sieben Jahre, sieben Meere”, „Das Lied von Aragon” und „Ein schöner Tag mit dir” geht es in die Pause.

Als Whittaker wiederkommt, hat sich nicht nur seine Garderobe verändert. Nun wird erst richtig ausgepackt, jetzt wird das Versprechen, bei der „Dankeschön”-Tour alle Hits zu spielen, eingelöst. Was vor der Pause noch durch afrikanische Rhythmen und manche gepfiffenen Instrumentals angereichert war, reduziert sich nun auf den wahren Kern: den Schlager. Es kommen angeschunkelt: „Wir sind jung (oh Maria)”, der irische „Uncle Benny” und die alten Schlachtrösser „Albany”, „Abschied ist ein scharfes Schwert” sowie „River Lady”.

Whittaker kommt in Schwung, die Stimme wird mit jedem Lied voller, ja, souliger. Es gibt tosenden Applaus, Blumensträuße am Bühnenrand und zum Schluss Ovationen im Stehen. Die Zugaben werden gleich gespielt, man erspart sich das zeitraubende Von-der-Bühnegehen. Zu „Was ist dabei, wenn wir zwei uns lieben” stehen dann alle im Saal, es folgt der endgültige Rausschmeißer: „Ein bisschen Aroma”. Und das ist dann, huch, fast Rock ‘n‘ Roll. Was nach dem Kehraus bleibt, ist die Frage, ob es das jetzt vielleicht doch endgültig war. Oder ob der Rücktritt vom Rücktritt des Rücktritts kommt.

Matthias Schmidt

 
     
 
Hannoversche Allgemeine Zeitung - 28.01.2007  
 
     
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