Konzertbericht – Roger Whittaker - 26. Januar 2007 – Hamburg – CCH Saal 1
 
     
 

Es war Mittwoch, der 23. Mai 1984: Der Verfasser dieser Zeilen, damals soeben 13 Jahre alt geworden, hatte an jenem Tage doppelten Grund zur Freude: Zum einen, fiel die ungeliebte Musik-Arbeitsgemeinschaft in den letzten zwei Unterrichtsstunden bei Hanna Gienow, damals des Rezensenten Musiklehrerin, heute dessen mütterliche Freundin und Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft, aus, zum anderen durfte Klein-Holger an jenem Mittwoch Abend, erstmals in seinem jungen Leben, den Weltklasse-Entertainer Roger Whittaker in der hanseatischen „Musikhalle“ ‚live’ wahrnehmen.

Im Frühjahr vor 23 Jahren hatte der studierte Zoologe und Meeresbiologe seine unvergeßliche LP „Ein Glück, daß es Dich gibt“ veröffentlicht und die erste Singleauskoppelung daraus, „Abschied ist ein scharfes Schwert“, sogar bis in die deutschen Top 10 führen können. Bald ein Vierteljahrhundert ist seitdem ins Land gezogen. Immer wieder ließ sich Roger Whittaker über die Jahre in einheimischen Konzertsälen blicken. Ein ums andere Mal war der Rezensent mit von der Partie. Vor einem Jahr, am 22. März 2006, feierte der stets feudal und ‚gentleman-like’ auftretende Sänger und Liederschreiber seinen 70. Geburtstag, untermalt von der grandiosen Doppel-CD „Einfach leben – Dankeschön für all die Jahre“, die im Frühjahr 2006 sogar bis auf den 16. Rang der „Media Control“-Albumcharts aufsteigen konnte. 2007 steht nun Rogers Jubiläumstournee auf dem Programm, im Rahmen derer er seinen treuesten Fans eben „Dankeschön“ für all die gemeinsamen Jahre sagen und zugleich nochmals – vielleicht zum letzten Mal? – all seine großen Schlager- und Poperfolge der 70er, 80er, 90er und „Nuller-Jahre“ ‚live’ und ungeschminkt präsentieren möchte.

Am vergangenen Freitag, 26. Januar 2006, füllte Roger Whittaker den großen „Saal I“ des Hamburger „Congress Centrums“ (CCH) beinahe bis auf den letzten Platz. Unzählige Fans, Männlein, wie Weiblein, jung, wie alt, waren aufmarschiert, um dem knapp 71jährigen Allroundtalent ihr Tribut zu zollen. Und der gefeierte Vollblutmusiker enttäuschte seine Anhänger keine einzige Sekunde lang.

Um punkt 20.03 Uhr gingen im „Saal 1“ des CCH die Lichter aus. Eine großorchestrale Fanfare ertönte, die Bandmusiker betraten nach und nach die Bühne... nur, wo blieb der Star des Abends??? Es erklangen die ersten Takte von „Dankeschön“, dem walzerartigen Titelsong der erwähnten Jubiläums-Doppel-CD... plötzlich öffnete sich der rechte Seiteneingang des CCH-Saal 1... und auf einmal stand Roger Whittaker, eines der wichtigsten Jugendidole des Rezensenten, kaum einen Meter von demselben und seinem besten Freund entfernt im Gang. Er lächelte uns zu, bestieg die Bühne und intonierte genau jenes Lied „Dankeschön“, in dem er allen seinen jahrelangen Wegbegleitern liebevoll und hochmelodisch für ihr unaufhaltsames Festhalten an der Verehrung seiner Person schlicht und einfach, und ohne jegliches Pathos, DANKTE.

Was nun folgte, war letzten Endes ein klassisches Roger-Whittaker-Konzert, wie sei Jahren gewohnt: Mitreißend, ansprechend, perfekt austariert und selbstverständlich, wie immer, gespickt mit dem Besten, was der gebürtige Kenianer mit derzeitigem Wohnsitz Irland in seinem unerschöpflichen Repertoire aufzuweisen hat.
Im ersten Teil des insgesamt fast zweieinhalbstündigen Konzertabends, griff der junggebliebene 70jährige vor allem auf seine eigenen Favoriten und Spezialitäten zurück. Er proklamierte augenzwinkernd „Alles Roger, alles klar“, besann sich in der knisternden Ballade „Mein Land ist Kenia“ auf seine Geburtsheimat, pfiff sich durch den legendären „Mexican Whistler“, durch den – ja, man mag es kaum glauben – britischen Top-10-Hit des Frühsommers 1986, „Sky Boat Song“, sowie den flotten Dauerohrwurm „Happy Kenya Boy“, der BIS HEUTE auf keinem Roger-Whittaker-Konzert fehlen darf.
Nur ein paar wenige tatsächliche Hits – wie etwa der gospelangehauchte 1991er-Mid-Tempo-Schlager „Sieben Jahre, sieben Meere“ – kamen vor der obligatorischen Pause zum Zuge. Roger intonierte stattdessen die niemals als Single ausgekoppelten und dennoch auf Ewig heißbegehrten Albumtitel „River Baion“ (1982) oder „Das Lied von Aragon“ (1988) – tja, erst mal wurden seine Fans in gewisser Hinsicht auf die Folter gespannt... Hervorragende Duette mit Rogers langjährigen Chordamen Kirstin Campbell („Ein schöner Tag“) und Angie Hall („Zurück zur Liebe“) beendeten Part-01 der umjubelten Roger-Whittaker-Show.

Ja, und um Halbzehn eröffnete der unkopierbare Gentleman des deutschen Popschlagers die langerwartete Abteilung „Greatest Hits“. Im Anschluß an die sehr stille, enorm sacht vor sich hin schleichende Kaminfeuerballade „Erinnerungen“, ließ der durch nichts und niemanden in den Schatten zu stellende Meister des romantischen Schmusesounds ein Hitfeuerwerk per Excellanze abbrennen. Mehr als 45 Minuten lang, folgte ein Gassenhauer dem anderen: Ob englischsprachige Folkkleinode aus den 70er Jahren – z.B. „The Last Farewell“ oder „River Lady (A Little Goodbye)“ - oder jene kongenialen, durchwegs hitträchtigen Kompositionen, die der Hamburger Schlagermogul Klaus „Nick“ Munro in den seligen 80ern für seinen damaligen Schützling verfaßt hatte... Die hervorragende Darbietung dieser Dauerbrenner trug dafür Rechnung, daß es im Hamburger CCH nun wahrlich kein Halten mehr gab: Der supereingängige Popschlager „Wenn es Dich noch gibt“ (1983), der regentrübe Depressivo-Hymnus „Laß mich bei Dir sein“ (1987), der fesche 1995er-Schunkler „Wir sind jung (Oh Maria)“, natürlich die Ewigkeitsevergreens „Albany“ (1982), „Abschied ist ein scharfes Schwert“, „Eloisa“ (beide 1984) oder die verspätete Reminiszenz an die Hochzeiten der Friedensbewegung der 80er Jahre, „Die schneeweißen Tauben“ (1998), begeisterten das klassisch hanseatisch-unterkühlte Publikum zutiefst und innigst, so daß nur wenig später die meisten Roger-Fans – zugegebenermaßen mehr Damen, als Herren – schnurstracks in Richtung Bühne stürmten und dort „Mr. Schmusebacke“, wie der Star des Abends oft liebevoll bezeichnet wird, ausgiebig feierten.
Dieser intonierte zum (vorläufigen) Ende seiner Show nochmals seinen Jubiläumstitel „Dankeschön“. Dies jedoch reichte seinen rund 3500 anwesenden Anhängern natürlich keineswegs aus, weshalb der strahlende Jubilar unter donnerndem Applaus erneut die Bühne betreten mußte. Zunächst gab es den lieblichen 1990er-Schlager „Was ist dabei, wenn wir zwei uns lieben?“ zu hören – und dann, denjenigen Titel, der sich im Laufe der Zeit bei Whittaker-Konzerten zum Höhepunkt und „Rausschmeißer“ gleichermaßen entwickelt hat: „Ein bißchen Aroma“, jenen stimmungsvollen Stimmungsschlager aus dem Herbst 1986, der auf Rogers damaliger Werbetätigkeit für eine bekannte deutsche Kaffeemarke basierte. Nur, diesmal, 2007, wurde dieser poppige Ewigkeitsohrwurm nicht, wie sonst, im konventionellen Poparrangement abgehandelt. Nein, viel eher avancierte nun, kurz vor Schluß, das wundervolle Konzerterlebnis mit dem phantastischen Ausnahmekünstler Roger Whittaker zu einem real existierenden Rockevent. Der hochbegabte Gitarrist Zoran griff plötzlich und vollkommen unerwartet zur kreischenden Rockgitarre, Keyboarder Martin Meyer hing sich die Rhythmusklampfe um... und schon erklang der kesse Up-Tempo-Partykracher von vor rund 21 Jahren in einer Form, als stünde der zumeist so ruhig, betulich und gemächlich agierende Schmusepopper Roger Whittaker gemeinsam mit den britischen Boogie-Heroen von „Status Quo“ auf der Bühne...

Ja, und nach dieser außergewöhnlichen, aber ungemein mitreißenden Melange aus Schlager und Rock, war unwiderruflich Schluß. Der Rezensent lief nun, gemeinsam mit seinem besten Freund, noch einwenig durch die kalte, winterliche Nacht von Hamburg-City. Dabei ließen wir beiden einmal wieder die legendären 80er Jahre Revue passieren, als Roger Whittaker unser gemeinsames Jungendidol war. Als Resümee unserer stundenlangen „Vergangenheitsbewältigung“ zogen wir, gerade nach diesem Klasse Konzert, daß uns „unser“ Roger möglichst noch viele, viele Jahre erhalten bleiben möge - und wir vielleicht in ein oder zwei Jahren wiederum einen überaus netten und freundlichen Konzertbericht über einen Hamburger Auftritt Roger Whittakers vorlegen können!

(Holger Stürenburg, 26./27. Januar 2007)

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