Liebe endet nie: Roger Whittaker in der AWD-Hall
 
     
 

19.55 Uhr in der gut gefüllten AWD-Hall: Die große blonde Frau in der Mitte von Reihe drei fischt eine Dose „Bebe-Zartcreme“ aus ihrer Handtasche und beginnt sich die Hände einzucremen. Warum?

Roger Whittaker in der AWD-Hall - Foto: Christian Behrens Roger Whittaker in der AWD-Hall (Foto: Christian Behrens)

19.58 Uhr: Plötzlich geht das Licht aus, Fanfaren schmettern, fünf Herren mit Instrumenten und zwei Damen in schwarzen Abendkleidern betreten die Bühne, die Musiker beginnen zu spielen, die beiden Sängerinnen singen „Olé – Olé, Olé, Olé“. Es ist auf die Sekunde genau 20 Uhr, als ein Scheinwerferkegel den Mann mit dem blauen Samtjackett und dem rosa Rüschenhemd hinten links auf der Bühne erfasst: Roger Whittaker.

„Alles Roger“ ruft Roger. „Alles Roger!“ ruft auch die Blonde mit den eingecremten Händen auf Platz 20 in Reihe Drei. Sie klatscht im Takt, und sie wird bis zum Ende der knapp zweieinhalbstündigen Show nur selten damit aufhören. Das Eincremen schützt die beanspruchten Hände. Und Kathrin, so heißt die junge Frau in der dritten Reihe, wird in den nächsten Tagen noch viel klatschen. Nur zwei der 29 Konzerte von Roger Whittakers neuer Tournee („Liebe endet nie“) wird sie auslassen, ansonsten ist sie immer dabei. Sie hat ihren Jahresurlaub extra so gelegt. Und Waltraud und Ute, ihre Freundinnen, haben das auch so gemacht. Gestern Bielefeld, heute Hannover, morgen Krefeld, und fast jeden Abend geht’s zurück nach Halberstadt. Man teilt sich die Benzinkosten. „Alles super, so weit ich seh’“ singt Roger Whittaker, und damit hat er erstmal Recht. Waltraud, eine kleine, quirlige Person, hält neben Kathrin ein Plakat in die Höhe. „Endlich bist du wieder hier“ steht drauf. Passt immer. Deshalb haben es Kathrin, Waltraud und Ute auch immer dabei.

„Du bist ein Engel“ singt Roger Whittaker, und die drei Damen vom Fanclub aus Halberstadt summen mit – und klatschen natürlich im Takt. „Ich spiele all die Hits, die Sie kennen und die Sie lieben“, hat Roger Whittaker zu Beginn gesagt, aber auch ein paar neue Lieder angekündigt. Für Kathrin, Waltraud und Ute ist nichts neu. Sie waren ja auch beim Tourneestart in Stade vor neun Tagen dabei. Sie singen mit und klatschen im Takt, wenn sie nicht gerade rote Leuchtherzen schwenken. Roger singt von der Liebe, vom Glück, vom Alter und davon, dass alles vergeht, nur die Liebe nicht. Was ja stimmt. Und Roger Whittaker bleibt auch.

Kaum ein anderer Musiker steht so für Beständigkeit. „Ick bin seit 45 Jahren verheiratet“, sagt er, das Publikum applaudiert. „Mit einer Frau“, setzt er nach, das Publikum lacht. Er erzählt, dass er fünf wunderbare Kinder und mittlerweile acht Enkelkinder hat. Applaus. Dann setzt er sich einen grünen Hut auf und singt ein irisches Lied. Er pfeift (vorwärts und rückwärts), spielt die zwölfsaitige Gitarre und schäkert mit dem Publikum – und dass er fast schon 73 Jahre alt ist, erkennt man höchstens daran, dass er Gürtel und Hosenträger gleichzeitig trägt. Aber sonst? Alles Roger!

Seine Stimme, samtig wie nur was, einschmeichelnd und warm, erscheint ein bisschen rau, so als hätte das Alter das, was an dieser Stimme einzigartig ist, noch etwas verstärkt. „Nö“, sagt Kathrin, „das liegt nur daran, dass er heute etwas erkältet ist“. Stimmt. Der Sänger greift wiederholt zu Wasserglas und Taschentuch. Aber er ist natürlich ein alter Showprofi und lässt sich weiter nichts anmerken.

Aber: Wollte er nicht eigentlich längst in Rente sein? War seine letzte Tournee nicht eine „Abschiedstournee“? „Das schon“, sagt Kathrin, „aber das war nur, weil das Management das so wollte.“ Aha. „Roger“, sagt sie, „wollte immer weitersingen, aber sechzig Konzerte am Stück, das ist ihm dann doch zu viel geworden. Er wollte einfach kürzer treten.“ Nach Kürzertreten sieht es heute Abend aber gar nicht aus.

„Leben mit dir ist der Himmel auf Erden“, singt Roger. Und Kathrin und Waltraud quetschen sich durch die Reihe drei, bis sie am Gang sind. Dort warten sie, bis Whittaker das Lied von den „schneeweißen Tauben“ anstimmt. Dann stellt sich Waltraud vor die Bühne und reicht Roger einen Strauß mit Rosen. Roger singt: „Doch sie fliegen noch weiter, die schneeweißen Tauben / die Hoffnung auf Frieden stirbt nie / nein sie sind noch nicht müde / die schneeweßen Tauben solang es Träume gibt, gibt’s auch sie.“

In den Blumenstrauß ist eine weiße Taube aus Papier eingearbeitet. Das aber fällt dem Sänger nicht auf. Am Ende singt er „Abschied ist ein scharfes Schwert“. Kathrin, Waltraud und Ute heben das „Roger for ever“-Schild hoch. Dann wird mit der ganzen Reihe Drei geschunkelt. „Du bist nicht allein“, singt Roger. Und ein paar Tausend Leute jubeln.

22.25: Kathrin, Waltraud und Ute packen ihre Plakate und ihre roten Herzen zusammen. Jetzt schnell vom Parkplatz und zurück nach Halberstadt. Und morgen ab nach Krefeld. Denn: Liebe endet nie.

von Ronald Meyer-Arlt [Quelle: HAZ.de]

 
     
 
  
 
     
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