Das grosse Goodbye
 
     
 
30. April bis 10. Mai in der Region

Halle (Saale)/MZ. Rund 55 Millionen verkaufte Tonträger, mehr als 250 Silber-, Gold- und Platinauszeichnungen, immer wieder ausverkaufte Tourneen - Roger Whittaker gehört seit Jahrzehnten zu den größten Stars des deutschen Schlagers. Am 22. März feierte der in Kenia geborene Sänger seinen 75. Geburtstag. Seine große Abschiedstournee "Danke für so viele Jahre mit euch" beginnt am 30. April um 20 Uhr in der halleschen Händel-Halle und führt ihn noch einmal durch ganz Deutschland. Am 6. Mai ist Whittaker in der Leipzig-Arena, tags darauf in der Magdeburger Bördelandhalle. Dresden, Erfurt und Berlin folgen. Marie von Baumbach hat für die MZ mit Roger Whittaker gesprochen.

Herr Whittaker, in Kürze beginnt Ihre Abschiedstournee. Wie fühlen Sie sich?
Whittaker: Ein bisschen traurig. Ich weiß, dass ich nie mehr Konzerte in Halle, Leipzig oder Berlin geben werde. Die letzten 30 Jahre waren wunderbar, und meine Beziehung zu den deutschen Fans ist großartig. Diese liebenswürdigen Menschen werde ich sehr vermissen.

Wird es ein Abschied für immer - "The Last Farewell", um einen Ihrer größten Hits zu zitieren?
Whittaker: Ich werde weiter Alben produzieren und im Fernsehen auftreten. Trotzdem sage ich Goodbye, denn es wird keine Tournee mehr geben.

Und dementsprechend auch keine Live-Auftritte mehr?
Whittaker: Um große Live-Auftritte zu machen, muss man Erfolg mit seinen CDs haben. Bleibt dieser Erfolg, könnte ich mir einzelne Auftritte oder eine Gala vorstellen.

In "New World in the Morning" singen Sie von einem alten Mann, dessen Jugendtraum sich nicht erfüllte. Wie steht es mit Ihren Träumen?
Whittaker: Meine Träume haben sich fast alle erfüllt. Ich wollte immer Platten aufnehmen und großartige Lieder schreiben.

Also sind Sie restlos glücklich? Oder gibt es doch noch Pläne?
Whittaker: Seit vielen Jahren arbeite ich mit meinem Freund Howard Elson an einem Musical. Es spielt in einem kleinen Dorf an der Küste Kenias, dem Land, in dem ich aufgewachsen bin. Heute ist es eine Ruine, aber vor 500 Jahren war es ein großer Handelsmittelpunkt für Gold oder Elfenbein. Das Stück schildert die Geschichte einer Familie, die dort lebt, bis alles von Eindringlingen zerstört wird. Es ist ein afrikanisches Märchen.

Sie sind in Kenia geboren, haben in Wales studiert. Wie entstand die enge Beziehung zu Deutschland?
Whittaker: In Deutschland bin ich zunächst durch meine englischen Lieder bekannt geworden. "The Last Farewell" wurde weltweit elf Millionen Mal verkauft. Ich hatte drei Alben in den deutschen Charts und dachte, so könnte es weiter gehen. Aber die Menschen in Ostdeutschland sprachen damals kaum Englisch. Zunächst wollte ich nicht auf Deutsch singen, ich spreche bis heute die Sprache nicht.

Dabei gibt es eine Tradition von ausländischen Künstlern, die mit großem Erfolg auf Deutsch singen, z.B. Howard Carpendale, Mireille Mathieu, Milva, Nana Mouskouri. Whittaker: Ja, das Argument hat mich überzeugt. Am Anfang fiel es mir schwer, heute ist es viel einfacher. 1979 haben wir dann zunächst die großen englischen Hits wie "Albany" oder "Eloisa" auf Deutsch eingespielt. Mein erstes Album wurde 3,5 Millionen Mal verkauft. Es macht viel Spaß, auf Deutsch zu singen, so lange keiner von mir erwartet, dass ich es auch fließend spreche.

Wie haben Sie Ihre ersten Auftritte in Ostdeutschland, kurz nach der Wende, erlebt?
Whittaker: Ich war erstaunt, wie unterschiedlich die beiden Teile Deutschlands waren. Heute bewundere ich, wie sehr sich die Menschen ähneln, und wie viel Arbeit alle in das Land investiert haben. Ich glaube, in einer Generation wird man gar nicht mehr wissen, wie das Leben in der DDR war.

Sie sagten oft, Ihr Lieblingslied sei "I don't Believe in If Anymore". Warum?
Whittaker: Es ist so ganz anders als meine anderen Lieder, der Inhalt ist ernster, und es hat keine bestimmte musikalische Form. Es war in elf Ländern die Nummer eins. Ich habe es in England, Neuseeland, Kanada, den USA und Frankreich gesungen.

Welchen Unterschied sehen Sie zwischen den von Ihnen selbst komponierten Liedern und den für Sie geschriebenen deutschen Schlagern?
Whittaker: Meine Lieder sind volkstümlicher, da ich meistens mit der Gitarre komponiere - ab und zu auch mal am Klavier. Ich schreibe allerdings keine Volkslieder, auch wenn das manche von mir behaupten. Ich habe allerdings einige aufgenommen, zum Beispiel "Greensleaves", und ich kenne viele alte englische, deutsche, französische und skandinavische Volkslieder gut.

Die Plattenfirmen stecken in der Krise, die Verkaufszahlen sinken. Schlager dagegen liegen wieder im Trend.
Whittaker: Der Schlager wird immer erfolgreich sein, weil die ältere Generation diese Musik liebt. Es wird immer Howard Carpendales und Helene Fischers geben. Die Jüngeren hören lieber internationale Künstler. Früher konnte man acht Millionen Platten pro Jahr in Deutschland verkaufen. Das gibt es heute nicht mehr. Heute geht alles übers Internet, über iTunes und Downloads. Einer kauft das Album und kopiert es für Freunde.

Kopieren ist illegal und der Schlager-Fan an sich gilt doch als ehrlicher Mensch.
Whittaker: Ich glaube, dass Schlager-Fans nicht so viel herunterladen. Sie kaufen noch die CDs, wollen das Booklet mit den Fotos haben, um es dann noch signieren zu lassen. Ich gebe jede Woche hunderte Autogramme, die Fans schicken mir die CD-Cover, ich unterschreibe und schicke sie zurück.

Ein Hit war im letzten Jahr "Satellite" von Lena, mit dem Deutschland den "Eurovision Song Contest" gewonnen hat. Haben Sie es gesehen?
Whittaker: Ich habe von Lena gehört, aber nicht mit ihr gearbeitet. Mir machen Talentshows Sorgen. Die jungen Sänger werden über Nacht zum Star und glauben, es wird immer so weitergehen. Ihnen fehlt das Training. Man muss in Clubs und Kneipen gesungen haben, man muss jede Nacht vor nur zehn Leuten aufgetreten sein. Nur so kommt man dem Publikum näher, begreift, was glücklich macht, und lernt, mit ihm zu kommunizieren. Wenn dann die Karriere der jungen Sänger nicht mehr läuft, ist ihr ganzes Leben zerstört.

Die meisten verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.
Whittaker: Nur, wenn man seine Lieder selbst schreibt, hat man einen einzigartigen Stil, und den braucht man für eine lange Karriere. Das Publikum will dich mit deiner eigenen Musik hören. Als Künstler hat man zu selbst geschriebenen Liedern einen anderen Bezug. Und wenn man gleichzeitig der Komponist ist, die Musik aus dem eigenen Herzen gekommen ist, ist das etwas Besonderes. Das hält eine Karriere am Leben.

Sie haben zwei adoptierte und drei leibliche Kinder, zehn Enkelkinder und mehrere Bulldoggen. Sie machen Ihr Privatleben öffentlich, warum?
Whittaker: Meine Fans haben mich in ihr Herz und in ihr Leben geschlossen, für manche bin ich ein Lebensinhalt. Warum soll ich dann nicht freundlich sein? Ich gebe gerne Einblick in mein Privatleben, zeige Fotos meiner Familie, von meinem jüngsten Enkelkind, von allem, was mich beschäftigt. Man sollte die Leute wissen lassen, was man macht.

Unterscheidet sich der Roger Whittaker auf der Bühne von dem am Esstisch in Irland?
Whittaker: Zu Hause bin ich sehr normal. Ich lache viel mit meinen Kindern, sie machen Witze über mich. Ich mache mir Sorgen, bringe ihnen etwas bei - ein ganz normales Familienleben eben.

"Mein Land ist Kenia" heißt eines Ihrer Lieder. Welche Kindheitserinnerungen haben Sie?
Whittaker: Ich war schon als kleiner Junge sehr an Musik interessiert. Hätte ich so ein Kind, ich würde es fördern, ihm ein Instrument und Komposition beibringen. Mir hat niemand geholfen. Ich musste alles alleine machen. Ich habe mir die Musik selbst beigebracht und Gesangsstunden genommen. Mein Vater wollte, dass ich Arzt werde. Aber man muss sein eigenes Leben leben. Mein Vater hat meine Karriere nie akzeptiert. Selbst in Konzerten wirkte er immer sehr gleichgültig. Meine Mutter war etwas aufgeschlossener, sie hat meinen Erfolg genossen.

Die MZ verlost drei Mal zwei Tickets für das Konzert in der Leipzig Arena sowie fünf CDs von Roger Whittaker. Senden Sie bis Montag, 11. April, eine Postkarte an die MZ, Redaktion Ratgeber, 06075 Halle.

Kartenanfragen unter Telefon 01805 / 57 00 70 oder unter: www.evetim.de

[Quelle & ©: www.mz-web.de]

 
     
 
Mitteldeutsche Zeitung  
 
     
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